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Die neue Obfrau Claudia Zinner im Gespräch

Claudia Zinner ist die erste Frau an der Spitze des Absolventenverbandes des Josephinums. Im Interview spricht sie über ihre Motivation, den besonderen Josephinergeist und darüber, wie Tradition und Zukunft im Verband zusammenfinden. Außerdem verrät sie, welche Schwerpunkte der neue Vorstand setzt und warum Netzwerke heute wichtiger sind denn je.

Bitte stell dich kurz vor und gib uns einen Einblick in deinen Werdegang. Erzähle uns auch gerne, wie du erstmals auf das Josephinum aufmerksam geworden bist?

Ich bin im Waldviertel, auf einem landwirtschaftlichen Betrieb, bei Zwettl, aufgewachsen. Aufs Josephinum wurde ich aufmerksam, weil mein Vater Josephiner ist und ich vor vielen Jahren sein sehr gut erhaltenes Herbarium am Dachboden gefunden habe. Was soll ich sagen, manche entdecken alte Spielsachen, ich entdeckte gepresste Pflanzen und war begeistert. Letztlich habe ich 2010 am Josephinum in der Abteilung Landwirtschaft maturiert und später Agrar- und Kommunikationswissenschaften studiert. Währenddessen habe ich viele Jahre in politischen Büros gearbeitet, meistens direkt an der Seite von Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitikern. In dieser Zeit habe ich nicht nur unser politisches System sehr genau kennengelernt, sondern auch erlebt und in unzähligen Veranstaltungen gespürt, wie groß die Entfremdung zwischen Landwirtschaft und nichtbäuerlicher Gesellschaft geworden ist. Diese Erfahrung hat mich 2018 dazu bewegt, mein Know-how zu bündeln und den Schritt in die Selbstständigkeit zu machen. Ich habe ein Büro für Agrarkommunikation gegründet, mit dem Ziel den Wert der heimischen Landwirtschaft wieder sichtbar zu machen. Heute arbeite ich als selbstständige Unternehmensberaterin für Agrarkommunikation und Gründerin und Geschäftsführerin der WERTGEBEN Werbe- und Marketing GmbH für ein neues bäuerliches Bewusstsein.

Du bist die erste Obfrau in der Geschichte des Absolventenverbandes. Was bedeutet dir das persönlich?

Ich habe mitbekommen, dass es thematisiert wird, dass nun „eine Frau an der Spitze der Josephiner“ steht. Für mich persönlich hat es keine besondere Bedeutung. Wenn es ein wichtiges Signal ist, freue ich mich selbstverständlich darüber. Mir ist wichtig anzupacken und den Verband vorausschauend zu gestalten – mit klarer Richtung, starken Werten und einem lebendigem Netzwerk.

Wie hat dein Engagement im Verband begonnen und was hat dich motiviert, das Amt zu übernehmen?

Mein erster Kontakt zum Absolventenverband war als Schulsprecherin am Josephinum, als ich zum Neujahrsempfang eingeladen wurde – damals in der Wiener Produktbörse. Wenige Monate nach meiner Matura wurde ich gefragt, ob ich im Vorstand mitarbeiten möchte. So bin ich die letzten 15 Jahre in die Verbandsarbeit hineingewachsen und durfte zahlreiche Projekte mitentwickeln und gestalten. Seit 2013 war ich gemeinsam mit Stephan Pernkopf Stellvertreterin von Obmann Robert Fitzthum. Besonders motiviert mich, dass die Zusammenarbeit mit Josephinern immer etwas Besonderes ist. Wir haben ein großartiges Vorstandsteam mit unterschiedlichen Persönlichkeiten und Kompetenzen. Und nicht zuletzt: Netzwerke wie unseres werden in einer medialisierten, digitalen Welt immer seltener und wertvoller. Verantwortung zu übernehmen, war für mich daher folgerichtig.

Was macht den Absolventenverband besonders und was verstehst du unter dem vielzitierten „Josephinergeist“?

Unser Absolventenverband ist in seiner Form einzigartig und ein Netzwerk dieser Art entsteht nicht zufällig. Sein Ursprung und der des Josephinergeistes liegen seit jeher in der Schule: junge Menschen, die anpacken, denken und gestalten, begleitet

von Lehrerinnen und Lehrern, die mit Überzeugung Wissen vermitteln und Werte vorleben. Zuletzt war das bei den Info-Tagen wieder deutlich spürbar: diese Verbindung aus fachlicher Kompetenz, Bodenständigkeit und dem inneren Antrieb, etwas Gutes zu bewirken – für die Landwirtschaft und für die Gesellschaft. Besonders ist, dass dieses Miteinander nicht endet, wenn man die Schule verlässt. Seit mehr als 120 Jahren trägt der Absolventenverband den Josephinergeist über die Schulzeit hinaus und erfüllt ihn mit Leben. Außerdem pflegt er das Netzwerk durch zahlreiche Veranstaltungen und Serviceformate. Als Plattform, Sprachrohr und Unterstützer verbinden wir Menschen über Generationen und Berufswege hinweg und schaffen eine Gemeinschaft, die man nicht erklären muss, wenn man sie erlebt hat. Wichtig ist mir zu betonen: Unser Netzwerk ist keine Freunderlwirtschaft, sondern ein professionelles Miteinander auf Augenhöhe. Der Verband hat eine starke Tradition.

Wie möchtest du diese bewahren und gleichzeitig neue Impulse setzen?

Wir stehen auf einem sehr starken Fundament. Persönlichkeiten wie Robert Fitzthum, Stephan Pernkopf und Bernhard Weber haben den Verband über viele Jahre weiterentwickelt und geprägt. Tradition und Zukunft sind dabei kein Widerspruch – im Gegenteil: Je stabiler das Fundament, desto mutiger und zielgerichteter können wir weiterbauen – erkennbar, strukturiert und generationenübergreifend. Genau hier setzen wir an.

Welche ersten Schwerpunkte setzt der neue Vorstand mit dir an der Spitze als neue Obfrau?

Der Absolventenverband hat einen klaren Vereinszweck: Absolventinnen und Absolventen zu vernetzen, ihre beruflichen und ideellen Interessen zu stärken, die österreichische Land- und Forstwirtschaft zu unterstützen, Theorie und Praxis zu verbinden und die Entwicklung der Schule aktiv zu fördern. Auf dieser Grundlage haben wir bereits in den ersten Wochen nach der Wahl eine intensive Vorstandssitzung abgehalten und zentrale Schwerpunkte definiert: die Evaluierung und Weiterentwicklung der Verbandskommunikation sowie eine noch engere Zusammenarbeit mit der Schule. Besonders wichtig ist uns dabei der direkte Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern und die zukünftige Einbindung der Schülervertretung in die Vorstandsarbeit. Bestehende Veranstaltungsformate wollen wir gezielt weiterentwickeln und den Dr.-Josef-Hofer-Preis ausbauen. Ebenso werden wir die Verbandsverwaltung und -dokumentation – bei knapp 6.000 Mitgliedern – in den nächsten Schritt der Professionalisierung führen. Ein besonderes Anliegen ist uns das FJ-Studentenheim, unser „jüngstes Baby“. Dieses Haus – basierend auf der großzügigen Schenkung unseres Josephinerkollegen Erich Erber – wollen wir solide und verantwortungsvoll in die Zukunft führen. Unser ausdrücklicher Dank gilt Hannes Schabbauer, der das Studentenheim führt und auf ein starkes Fundament gestellt hat. Ebenso bedeutend ist der FH-Studiengang „Agrartechnologie & Digital Farming“, für den wir uns als Absolventenverband von Beginn an eingesetzt haben. Diese Ausbildung stärkt den Bildungs- und Forschungsstandort Wieselburg und leistet einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der österreichischen Landwirtschaft. Ganz wesentlich ist schließlich eines: Ein Verband ist nur so stark wie das Engagement der Menschen, die ihn tragen. Wir haben ein Vorstandsteam mit sehr motivierten Josephinerinnen und Josephinern. Wir werden unsere Köpfe zusammenstecken, Ideen sortieren und Schritt für Schritt umsetzen. Ich bin überzeugt, dass sehr Gutes entstehen wird.

Kontakt:

Für Fragen, Anregungen oder Ideen zum Absolventenverband stehe ich als Obfrau gerne zur Verfügung.

Ing. Claudia Zinner, MSc; Obfrau Absolventenverband FJ

0664/2370834; office@josephiner.at; www.claudiazinner.at

Claudia Zinner, Obfrau Absolventenverband FJ; (c) Dieter Schewig