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Nachruf: Wir trauern um unseren Ehrenobmann Paul Gruber
Mit Prof. Ing. Paul Gerhard Gruber ist unser Ehrenobmann und einer jener Menschen verstorben, die den Absolventenverband Francisco Josephinum und die Josephiner-Gemeinschaft über Jahrzehnte geprägt haben. Mehr als 60 Jahre war Paul für die Josephiner da – als Schriftführer, Redakteur der Josephiner-Nachrichten, Obmann und Ehrenobmann, als Journalist, Reiseleiter und Chronist. Vor allem aber als Mensch, dem das Miteinander sehr am Herzen lag.
Paul Gerhard Gruber wurde am 2. Februar 1938 in Graz geboren und wuchs auf der Stolzalpe bei Murau auf. Nach zweijähriger landwirtschaftlicher Praxis besuchte er das Francisco Josephinum und maturierte 1959.
Das Josephinum jener Jahre war ein anderes als heute. Neben der Abteilung Landwirtschaft befand sich der Zweig Landtechnik gerade im Aufbau. Das gemeinsame Leben und Lernen im Internat machte das Josephinum zu dieser Zeit für viele zu einem zweiten Zuhause. Die Möglichkeiten, mit Familie und Freunden außerhalb der Schule in Verbindung zu bleiben, waren begrenzt, Heimfahrten selten. Umso mehr prägten die Menschen vor Ort den Alltag und man lernte den Wert der Gemeinschaft zu schätzen. Was in diesen Jahren entstand, reichte weit über die gemeinsame Schulzeit hinaus. Für Paul wurde daraus eine Verbundenheit mit dem Josephinum und seinen Menschen, die ihn sein Leben lang begleitete.
Der Mensch im Mittelpunkt
Wer Paul gekannt hat, beschreibt einen Menschen, der anderen immer auf Augenhöhe begegnete. Funktionen und Titel standen für ihn nie im Vordergrund. Paul interessierte sich ehrlich für sein Gegenüber. Er kannte die Geschichten und Wege vieler Menschen, hörte zu und half, wenn er helfen konnte. Dieses Interesse blieb ihm bis zuletzt, genauso wie seine Neugier auf das, was sich veränderte. Er verfolgte Entwicklungen, griff neue Gedanken auf und blieb offen für andere Sichtweisen. Das zeigte sich besonders im Umgang mit den jungen Josephinern. Paul begegnete ihnen stets mit großer Wertschätzung und derselben Aufmerksamkeit wie seinen langjährigen Weggefährten.
Gleichzeitig hatte Paul klare Vorstellungen. Er verfolgte sie konsequent und brachte vieles auf den Weg. Dabei ging es ihm immer um die Sache und nicht um die Bühne.
Vielleicht war es genau diese Art, die Menschen mit ihm und miteinander verband. Und vielleicht lag darin auch sein persönliches Verständnis des viel zitierten Josephinergeistes: Kollegialität, gegenseitige Unterstützung und ein ehrliches Interesse aneinander.
Mehr als sechs Jahrzehnte für die Josephiner
Vieles, was den Absolventenverband heute ausmacht, hat Paul initiiert oder über viele Jahre begleitet.
Nach seiner Matura 1959 blieb er dem Josephinum eng verbunden. 1965 trat er in den Vorstand des Absolventenverbandes ein. 1972 rief er die Josephiner-Nachrichten in ihrer heutigen Form wieder ins Leben und war insgesamt 26 Jahre lang ihr Redakteur. Er berichtete über das Josephinum, den Verband und seine Menschen. 1974 wurde Paul geschäftsführender Obmann, von 1980 bis 1998 stand er als Obmann an der Spitze des Absolventenverbandes.
Eine weitere Leidenschaft waren die Josephiner-Reisen. Zwischen 1975 und 2010 organisierte Paul insgesamt 60 Reisen und leitete einen Großteil davon selbst. Sie führten rund um die Welt und verbanden fachlichen Austausch mit dem Kennenlernen anderer Länder und Kulturen.
Auch beruflich blieb er Landwirtschaft und Journalismus treu. Nach seiner Matura begann er seine journalistische Laufbahn, 1966 wechselte er zum „Österreichischen Bauernbündler“ und wurde 1982 dessen Chefredakteur. Er war Präsident des Verbandes der Agrarjournalisten Österreichs, schrieb Bücher und Hörspiele und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. 1990 wurde ihm der Berufstitel Professor verliehen.
1998 wurde Paul zum Ehrenobmann des Absolventenverbandes ernannt. 2002 erhielt er das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Niederösterreich. Zahlreiche weitere Auszeichnungen aus Landwirtschaft und Agrarjournalismus sowie die Goldene Josephiner-Nadel würdigten sein langjähriges Wirken.
Diese Stationen zeigen ein außergewöhnliches Engagement.
Auch als Ehrenobmann blieb er bis zuletzt eng mit dem Verband verbunden. Er nahm an Sitzungen teil, verfolgte die Entwicklungen und brachte seine Erfahrung unterstützend ein. Noch seinen 85. Geburtstag feierte er im Kreis des Vorstandes.
Danke.
Mehr als sechs Jahrzehnte (!) hat Paul die Josephiner-Gemeinschaft begleitet und mitgeprägt. Was ihm dabei wichtig war: seine Verbundenheit mit den Kolleginnen und Kollegen, sein Interesse an den nächsten Generationen und seine Bereitschaft, stets für andere da zu sein.
Lieber Paul, du hast uns viel Wertvolles hinterlassen. Sichtbares, aber auch vieles, das sich in Funktionen, Jahreszahlen oder Auszeichnungen nicht festhalten lässt. Danke für alles, was du für die Josephiner-Gemeinschaft getan hast.
Im Namen aller Josephinerinnen und Josephiner nehmen wir in großer Dankbarkeit Abschied von unserem Ehrenobmann und Kollegen. Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm nahestanden. Möge die Erinnerung Trost spenden und die Verbundenheit in dieser schweren Zeit stärken. Was Paul für die Josephiner geschaffen und vorgelebt hat, wird in unserer Gemeinschaft lebendig bleiben.
In ehrendem Gedenken und mit einem Josephiner-Gruß
Claudia Zinner
Obfrau
Verband ehemaliger Hörer am Francisco-Josephinum
Kondolenzbekundungen:
Wer seine Anteilnahme ausdrücken oder persönliche Worte und Erinnerungen an Paul mitgeben möchte, kann uns diese gerne an den Absolventenverband via Mail oder Post senden. Wir sammeln alle Nachrichten und übermitteln sie seiner Gattin Josefine.
