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Kardinal König besuchte zweimal das Francisco-Josephinum
Am „Josefitag“, dem 19. März 1974, eröffnete der Erzbischof von Wien einen Internatszubau am FJ. Dabei drückte er unter dem Thema "Verbindung von Tradition, Bildung und christliche Verantwortung" seine Wertschätzung gegenüber der Land- und Forstwirtschaft aus.
Die Landwirtschaft sei nicht nur ein Wirtschaftszweig, sondern vor allem ein Fundament für menschliche Werte und den Erhalt der Schöpfung. Das Francisco-Josephinum habe zwei Aufgaben: Einerseits moderne Ausbildung – wie das FJ sie bietet – und andererseits Verantwortung für und in der Gesellschaft zu übernehmen. Das Wissen sei kein Selbstzweck sondern soll der Verbesserung der Lebensbedingungen auf dem Land dienen. Außerdem wies er darauf hin, dass der ganze Mensch gefordert sei – es zähle nicht nur das Fachwissen!
Ein zweites Mal am „Josefitag“, dem 19. März 1999, besuchte der Kardinal im Alter von 94 Jahren erneut das Francisco-Josephinum.
Hofrat Ramoser mit Gattin, Pfarrer Franz Dammerer und AV Josef Braunsteiner empfingen ihn zum Essen im Gasthaus Bärenwirt in Petzenkirchen, chauffiert von seiner langjähigen Mitarbeiterin Dr. Annemarie Fenzel – dort erzählte er unter anderem „Für mich gibt es eine Zeit vor dem Konzil und eine Zeit nach dem Konzil – ich lernte die Weltkirche kennen und war nicht mehr fixiert auf ein eurozentrisches Kirchenbild."
Auf die Frage: Herr Kardinal wie haben Sie so viele Sprachen (mehr als 10) gelernt und die Erlaubnis der Schule erhalten, die Maturaarbeit statt in deutscher Sprache in Latein zu verfassen?
“Als Jugendlicher habe ich auf Konservendosen gesehen, dass es verschiedene Sprachen und Schriften gibt, das hat mich fasziniert – ich habe begonnen, die Sprachen zu vergleichen.”
Wie wurden Sie ein anerkannter Iranistikforscher?
“Ich war in Rom mit meinen Studien nicht ganz ausgelastet – so begann ich unter Anleitung von Prof. Massimo Vidale altpersische Keilschrifttafeln zu lesen, da stellte ich fest, dass die Menschen schon damals gebetet haben – der Mensch ist religionsbedürftig!”
In Anspielung auf die gemeinsame Heimat – Rabenstein/Warth:
Zum ersten und letzten Mal habe ich ca. mit 13 Jahren Zigaretten geraucht – ich habe sie beim Stolz (Kaufhaus in Kirchberg an der Pielach) gekauft und dann im Pfarrwald geraucht – gelogen werde ich zu Hause auch haben – na ja…
Dann erzählte er von seinen Aufgaben in der Weltkirche, etwa als Leiter des Referats für die Nichtglaubenden, über seine Rede vor Islam-Geistlichen an der Al-Azhar-Universität zum Thema: Die Religionen in der Welt von heute.
Ganz besonders froh war er über seinen Einfluss auf das Konzil im Dokument über Judenfrage und Antisemitismus. „Nostra Aetate“ beeinflusst von Prälat Dr. John Östtereicher in den USA. Damit hat der Vatikan das Menschenrecht auf freie Religionsausübung anerkannt.
Nachmittags sprach er in der FJ-Aula zu Schüler:innen und Lehrkräften unter anderem zu einem zentralen Thema: „Woher komme ich, wohin gehe ich, was ist der Sinn meines Lebens?“
Anschließend feierte er mit Schüler:innen des FJ und vielen Wieselburger:innen einen Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche Wieselburg, um nachher nach einem Imbiss beim Pfarrer nach Wien zurückzufahren.
Noch vieles gäbe es über diesen großen Kirchenmann zu erzählen, doch dieser Tag wird allen Bediensteten, Schülerinnen und Schülern des FJ und den Wieselburgerinnen und Wieselburgern noch lange in Erinnerung bleiben – auf jeden Fall uns selber!
Hans Ramoser und Josef Braunsteiner
