FJ-Geburtstag ohne Kaiser-Gemälde?!


Wenige Wochen vor dem 150 Jahr-Jubiläum des „Francisco Josephinum“ 2019 erreichte die Schulleitung erneut eine Rückgabeforderung für die Dauerleihgabe des alten Ölbildes von Schulgründer und Namensgeber“, Kaiser Franz Joseph I, das seit vielen Jahrzehnten das Konferenzzimmer von Schloss Weinzierl ziert.

Amtsschimmel oder doch legitimer Verwaltungsschritt? „Der Kaiser darf am FJ bleiben!“ hieß es im Herbst 2013. Schon damals hatte die Österreichische Galerie Belvedere als offizieller Besitzer das alte Kaiser-Gemälde im Schloss Weinzierl zurückgefordert. Deren Begehr konnte damals abgewehrt werden.

Mitte Oktober hat die Galerie Belvedere nun erneut den Leihvertrag gekündigt. Das Bild, unter dem im Laufe mehrerer Jahrzehnte zahllose Josephinerinnen und Josephiner ihre Matura abgelegt haben, soll bis Jahresende nach Wien rücküberstellt werden. Die Schulleitung wurde aufgefordert, den Rücktransport des Gemäldes mit Jahresende durch eine spezielle Kunstspedition zu veranlassen „und auch eine entsprechende Transportversicherung mit einem Versicherungswert von 100.000 Euro einzudecken.“

Nachdem 2013 die Rückstellung des Ölbildes unter der damaligen Belvedere-Direktorin Ages Husslein abgewehrt werden konnte, pocht nun das neuen Direktoren-Duo Stella Rollig und Wolfgang Bergmann auf die Rückgabe.

Als Begründung für die Rückholung nennt Werner Sommer vom Belvedere „die Aufforderung des Rechnungshofes an die Bundesmuseen, alle Ausstattungsgemälde zurückzufordern.“  Für diese Leihe fehle die rechtliche Grundlage. Auch befürchte man mögliche „Schäden, die erfahrungsgemäß durch jeden längeren Aufenthalt von Ölgemälden in nicht-musealen Räumen entstehen.“

Das „Porträt Kaiser Franz Joseph I.“, ein Ölbild auf Leinwand, 159 mal 110 Zentimeter groß, stammt vom Portraitmaler Josef Plank (1815-1901), einem bekannten Historien- und Freskenmaler aus Hall in Tirol. Er portraitierte um 1850 mehrfach den noch jungen Monarchen. Das Bilder aus dem früheren Besitz der Habsburger, deren Immobilien und Mobilien nach dem Ende der Monarchie überwiegend in das Eigentum der Republik Österreich übergegangen sind, trägt die Inventarnummer „Lg 170“ des Belvedere und hängt seit vielen Jahrzehnten im Konferenzzimmer der Schule.

Für die Schule und deren mit dieser besonders verbundenen Absolventenverband ist dies ein herber Schlag. „Vor fünf Jahren hieß es noch, im Belvedere habe man die Rückforderung des Kaiser-Porträts noch einmal überdacht“, betonen Josephiner-Obmann Robert Fitzthum und sein Stellvertreter, Stephan Pernkopf. Insbesondere auch weil Schuldirektor Alois Rosenberger schon damals argumentiert hatte, dass das Werk der Öffentlichkeit zugänglich sei.

Besonders unerfreulich sei laut Pernkopf, dass das wohl einzige Erinnerungsstück an den Schulgründer und Namensgeber des FJ nun unmittelbar vor dem 150. Gründungsjubiläum im Jahr 2019 zurück in einen Kunstspeicher in den Kellern von Schloss Belvedere wandern soll. „Das FJ als inzwischen älteste höhere landwirtschaftliche Lehranstalt mit aktuell rund 5.300 Absolventinnen und Absolventen wurde 1869 in Mödling gegründet.“ Das Anliegen der Staatsgalerie, den Kaiser aus dem FJ zurückzufordern, sei auch vor diesem Hintergrund zu hinterfragen.

Robert Fitzthum und Stephan Pernkopf wollen nun beim zuständigen Kunstminister Gernot Blüml vorsprechen, um eine weiterhin langfristige Dauerleihgabe-Vereinbarung mit dem Belvedere zu erwirken.

Denn eines möchte sich in Josephiner-Kreisen derzeit noch niemand wirklich ausmalen: Ein außerordentliches Schuljubiläum ohne Portrait des Schulgründers…

BERNHARD WEBER

 

 

 

 

 


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